Ökozierpflanzen
Protokoll zum Vortrag im Öko-AK Weihenstephan zum Thema
"Öko-Zierpflanzen – Anbaugrundsätze und Marktperspektiven"
von Bettina Billmann
Die Referentin Bettina Billmann ist seit 2003 am
Forschungsinstitut für Biologischen Landbau in der Schweiz in den
Bereichen Gemüse- und Zierpflanzenbau tätig. Sie stammt aus einem
kleinen Gartenbaubetrieb, der schon 1968 auf ökologische Produktion
umgestellt hatte, absolvierte eine Gärtnerlehre und schloss ihr Studium
der Gartenbauwissenschaften in Hannover mit einer Diplomarbeit ab. Nach
langjähriger Tätigkeit als Berufsschullehrerein für Gärtner und
Floristen, bekam sie die erfüllende Stelle am FiBL. Informationen zu
ihren Tätigkeiten liefert die Seite bioblumen.fibl.org.
Da es sich
beim ökologischen Zierpflanzenbau um ein sehr breites Themenfeld
handelt, sollte der Vortrag einen allgemeinen Überblick darüber liefern.
Zuerst ordnete Frau Billmann die Biozierpflanzen für Deutschland ein.
2003 gab es etwa 180 zertifizierte Betriebe, das entsprach einem Anteil
von einem Prozent. Die Produktion von Blumen, Stauden und
Zier-Topfkräutern steckt, durch einen Mangel an Forschung und Beratung
und durch das Fehlen einer nationalen Dachorganisation, noch in den
Kinderschuhen. Erste Ansätze liefert die Landwirtschaftskammer NRW und
das alle zwei Jahre stattfindende ÖKOmenische Zierpflanzenseminar.
In
Deutschland betreiben bereits 100 führende Zierpflanzenbetriebe
Kontrolliert Integrierte Produktion (KIP) und dürfen "Das Grüne
Zertifikat" tragen. Die Biobetriebe, die meist klein und ohne besondere
technische Ausstattung sind und oft nicht von ausgebildeten Gärtnern,
sondern von Quereinsteigern geführt werden, haben kein eigenes Siegel.
Im Jahr 2006 wurde von konventionellen Gärtnereien eine
Anbaugemeinschaft für Bio-Zierpflanzen gegründet und 2008 initiierte das
BMELV zwei Fachgespräche zum biologischen Zierpflanzenbau.
Doch auch in anderen Ländern hinkt der ökologische Blumenmarkt dem konventionellen hinterher:
In
den USA sollte mit "Organic Bouquet" ein nationaler Markt für
biologische Schnittblumen errichtet werden. Doch trotz eines großen
Anteils ökologischer Betriebe in Kalifornien, konnte nicht genügend Ware
beschafft werden. Daher beschloss man "Close-to-organic"-Richtlinien
und gründete das Label "Veriflora" zur Vermarktung von fair gehandelten
und nach biologischeren Vorschriften erzeugten Schnittblumen, vor allem
aus Ecuador und Kolumbien. Der Umsatz konnte seit 2003 um 50% gesteigert
werden.
In Georgien dagegen werden keine Schnittblumen, sondern ca.
32 ha Damaszener-Rosen nach Demeter-Vorschriften für die Aromatisierung
von WALA-Kosmetik und auf der Ca´dei Fiori über 60 ha Kräuter und
Blumen, darunter 28 ha Iriswurzeln für medizinische Zwecke angebaut.
Auch so kann Zierpflanzenanbau aussehen.
Nun befasste sich Frau Billmann mit der biologischen Produktion von Zierpflanzen:
Das
Sortiment umfasst sowohl das klassische Angebot an Beet- und
Balkonpflanzen, als auch Nischen, wie Wildblumen. Diese passen, als
Nektarspender und anspruchslose Generalisten, besonders zu den
ökologischen Grundsätzen. Außerdem versuchen die biologischen Gärtner,
die Mehrkosten der Produktion durch höhere Topfgrößen und ausgefallene
Sorten zu erwirtschaften. Denn nicht zuletzt durch die größeren
Standweiten steht der Flächenerlös dem konventioneller Betriebe nach.
Substrate
enthalten im Ökoanbau auch Hochmoortorf, allerdings ist der Anteil auf
80% in Anzuchtsubstraten und 50% in Topfsubstraten beschränkt. Außerdem
sind keine synthetischen Zuschlagstoffe und Düngemittel im Substrat
erlaubt. Diese Vorschriften ziehen jedoch einen höheren Wasserbrauch als
reine Torfsubstrate und eine kürzere Haltbarkeit durch die Zersetzung
der organischen Düngemittel nach sich. Eine von der EU-Kommission
eingerichtete Task-Force Substrate wird jedoch eine substratlose Kultur,
wie Hydroponik, nicht zulassen, und so das Problem auch nicht lösen.
Damit
kam Frau Billann auch schon zum Thema Düngung, speziell zur
Flüssigdüngung. Zur Grunddüngung werden Hornspäne in verschiedenen
Fraktionen eingesetzt und können bis zum Kunden als Depotdünger wirken.
Doch Starkzehrer brauchen eine flüssige Nachdüngung. Dazu wurde lange
Zeit proteinreiche Vinasse aus der Zuckerproduktion eingesetzt. Doch die
Vergärung der Vinasse führte häufig zu Geruchsproblemen und
bedingt
ein Nachspülen des ganzen Bewässerungssystems mit klarem Wasser.
Deutlich weniger Probleme macht "Organic Plant Feed" (OPF), ein Ferment
aus Melasserückständen und Rohphosphat, das in 5 Zusammensetzungen auf
der Betriebsmittelliste aufgeführt ist. Trotz guter Erfahrungen ist auf
diesem Gebiet noch unbedingt Forschung notwendig.
Da der Pflanzenschutz im Ökoanbau die größte Schwierigkeit darstellt, wird auf Prophylaxe durch Kulturmaßnahmen und Pflanzenstärkungsmittel ein großer Wert gelegt. Derzeit sind 330 solcher, die Widerstandskraft stärkender, Mittel (Biocontrol Products) zugelassen. Dazu zählen Bodenhilfsstoffe, wie Gesteinsmehle, Bokashi oder Komposte, aber auch organische, anorganische und mikrobielle Mittel, wie "Effektive Mikroorganismen". Die Möglichkeiten gehen bis hin zu pflanzlichen und homöopathischen Mitteln, wie Biplantol, das mit großem Erfolg auch in konventionellen Gärtnereien eingesetzt wird. Die Einsparung von Pestiziden und die damit verbundene finanzielle Ersparnis, veranlasst immer mehr konventionelle Betriebsleiter, sich von Andrea Terhoeven Urselmanns über den Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln beraten zu lassen.
Schließlich schilderte Frau Billmann noch den Markt, den der biologische Zierpflanzenbau bedient.
Die
Kunden finden sich in den Sinus-Milieus in den Konservativen,
Postmateriellen Kartoffeln, haben eine gesteigerte Ökomoral und ein
ausgeprägtes Bewusstsein sowohl für Geld, als auch für die Umwelt. Es
ist daher sowohl die klassische Ökokundschaft, als auch die
traditionellen Blumen- und Gartenliebhaber aus der bürgerlichen Mitte.
Am gesamten Marktpotential von 1574 Mio € nimmt der Ökozierpflanzenanteil jedoch noch einen sehr geringen Anteil ein.
In
der anschließenden Diskussion erfuhr man, dass die
Pflanzenstärkungsmittel von Gärtnern aufgrund eines "grünen" Denkens,
aus Anwenderschutzgründen, aber auch wegen des zu erwartenden
Qualitätszuwachses (Haltbarkeit, Blütenausfärbung) eingesetzt werden.
Auf die Frage nach Bezugsquellen für biologisches Blumensaatgut verwies
die Referentin auf eine Liste auf der Homepage des FiBL. Herrn Reents
interessierte noch der aktuelle Bedarf an jungem Personal, jedoch
konnten dafür keine detaillierten Auskünfte gegeben werden. Frau
Billmann empfahl jedoch, sich für alles zu interessieren und möglichst
mehrgleisig zu fahren. So endete ein äußerst interessanter und vom Thema
her neuartiger Vortrag in der aktuellen Vortragsreihe des Öko-AK
Weihenstephan.
Literaturtipps:
Reinhard Witt: Das Wildpflanzen Topfbuch. Ausdauernde Arten für Balkon, Terrasse und Garten. Lebendig, pflegeleicht, nachhaltig ISBN: 3000210482www.bioblumen.fibl.org/de/bioblumen.html
www.fibl-shop.org/shop/pdf/al-1407-zierpflanzen.pdf



